Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

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31. Dezember 2003

Museales Marketing

Stadt-Marketing – was für eine Erfindung! Nein – oft purer Etiketten-Schwindel. Marketing ist ganz selten wirkliches Marketing. Wenn es das aber ist, dann arbeitet es anregend an der Verbesserung des „Produktes Stadt“ – in Wechselwirkung mit Menschen, die darauf aufmerksam werden sollen. Meist aber wird lediglich flache Werbung gemacht.
Wirkliches Marketing leisten in der Regel andere. Ein leuchtendes Beispiel ist die städtische Ludwig Galerie im Schloss Oberhausen. Weit mehr als ein erfolgreicher Museums- oder Ausstellungs-Betrieb, macht sie Region und Stadt mit wesentlichen Einblicken sichtbar.
Die Ludwig Galerie trat aus dem Bunker heraus, in dem sich viele Museen immer noch einigeln, und öffnete sich ihrer Umgebung – sie übernahm dafür Verantwortung. In der IBA-Zeit diente sie als Anlaufstelle, Orientierung, Übersicht und Vertiefung der „Landmarken“ und „künstlerischen Zeichen“ in der Region. Damit leistete sie dem Struktur-Wandel und einem substanziell fundierten Image exzellente Dienste.
Dann schuf die Ludwig Galerie ein anderes Bild der Emscher – für das gewaltige Werk der Emschergenossenschaft, die den industrialisierten Flss umwandelt. Eine Ausstellung und ein Buch mit Fotos von Thomas Wolf überraschen und öffnen dadurch Augen, Sinne und Geist.
Nun entdeckt die Ludwig Galerie, dass Oberhausen als eine ganz seltene und einzigartige Stadt-Struktur mit besonderen Werten entstand:
Sie wuchs in Jahrzehnten als Stadt, als Park. Dies wird im Februar als Ausstellung sichtbar werden, auch im Buch und mit umfangreichen Diskussionen über den Umgang mit dem Grün. Die Ausstellung gibt auch Impulse für die weitere Stadt-Entwicklung.
Diese Galerie ist eine Herausforderung für alle Museen in der Region - ein Aufruf an ihre Verantwortung, nicht nur die Schätze ihrer Stadt gut aufzubewahren, sondern auch Einsichten zu vertiefen – und damit an Stadt und Region zu arbeiten. Das ist nicht kleinkariert, sondern kann zeigen: in der Mikrostruktur steckt die Makrostruktur. Das Universum ist auch auf begrenztem Raum wirksam. Diese naheliegende Museums-Reform ist das beste Stadt-Marketing.