Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

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29. April 2004

Die erzählte Stadt Duisburg

Viel Licht wird unter den Scheffel gestellt. Und dann jammert man, es sei dunkel. Ein Beispiel? Der Duisburger Norden. Da regnete es Vorurteile. Aber stimmen sie? Tumbes Gerede wird schnell zum Stadt-Image, wenn irgendwelche Meinungs-Statistiker zweifelhaft ermittelte Prozentzahlen vorlegen.
Vor zwei Jahren durfte ich, im Auftrag des Städtebau-Ministeriums, den weltberühmten Fotografen Duane Michals durch den Duisburger Norden begleiten, durch einen „Stadtteil mit besonderem Erneuerungs-Bedarf“. Wir staunten darüber, was das Ministerium sich dazu alles einfallen ließ, wie viel Interessantes und Schönes dort entstand – weit mehr als im Duisburger Süden. Aber was da alles gut gemacht wurde – Keiner erfährt es. Man hat ans Machen gedacht, aber nicht ans Zeigen.
Mit einem Zeige-Konzept wäre der Duisburger Norden kein schwarzer Fleck mehr, sondern spannend. Da gibt es noch Industrie – und was für eine! Da finden wir vorzüglichen Städtebau und Architektur, vor allem in Siedlungen:
Macht das auffindbar! Da gibt es vielerlei Milieus – woanders sucht man so etwas! Lasst nicht zu, dass kurzatmige Eigentümer es zerfleddern! Da sind Ämter, Stadtplanung und Stadtmarketing auf einem höheren Niveau gefordert. Einstweiliger Höhepunkt dessen, was beispielhaft wiederentdeckt und liebevoll behandelt wird: das Bauhaus-Karree der THS.
Duisburg hat eines der besten Stadtarchive – das schreit nach Nutzung. Viele Leute können dem Tonband großartig Geschichten erzählen. Sammelt die Literaten, die Studies, die Lehrer: lasst zwei Jahre lang viele Fäden zusammen laufen! Der Duisburger Norden könnte in einzigartiger Weise eine „erzählte Stadt“ sein – dahin kämen dann all die Menschen, die Lust haben, über die eigene Epoche etwas zu erfahren: vor Ort, in unterschiedlichen Milieus und von Menschen, mit denen man reden kann. So haben wir es seinerzeit mit der Siedlung Eisenheim gemacht.
Das Zeigen muss über den Augenblick hinausgehen, wenn die Bürgermeisterin etwas einweiht, auch über den Zeitungs-Bericht vom Tag, es muss nachhaltig sein: Wenn ein Lesekundiger an einem interessanten Punkt vorbei kommt, ist es freundlich und nützlich, ihm eine Tafel mit Text anzubieten.
Übrigens: Die Ausstellung des illustren Geschichten-Fotografen Duane Michals in der Pumpenhalle im Landschaftspark könnte nach ihrem Ende dort in einem öffentlichen Gebäude in Hamborn verstetigt bleiben. Die Toskana lebt davon, dass sie ihre Bilder-Welt bleibend sichtbar macht. Das könnte auch der Duisburger Norden tun. Zusammen mit seinen „Erzählungen“.