Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

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26. November 2003

Mehr Qualität auch ohne Geld

In Festreden hören wir feierliche Sätze zur Förderung von Kindern, die ja unsere Zukunft sind, vor allem als zukünftige Rentenzahler (zahlen wir keine Rente?) und so weiter. Aber wenn es konkret wird, verdünnt sich die heiße Luft.
So geschieht es im Aachener Ortsteil Laurensberg. Die Stadt ließ die Siedlung Schurzelter Winkel anlegen, damit Familien mit Kindern nicht ins Umland abwandern. Das brachte ihr auch etliche Millionen, aus einer Wiese wurden teure Baugrundstücke. Das Unternehmen gelang recht ordentlich:
Die Siedlung ist schön, lebendig, kommunikativ, feiert Feste, hat viel gegenseitige Hilfe.
Nebenan gibt es einen Kindergarten. Und einen Spielplatz – aber jenseits der Hauptstraße. Als nun Bewohner die Stadt baten, für ihre über einhundert Kinder einen Zebra-Streifen anzulegen (eine teure Ampel wollten sie ihr ersparen), wieherte der Amtsschimmel. Er ließ Autos und Fußgänger zählen – und siehe da: Neun Fußgänger fehlten für das amtliche Zahlenspiel, das vorgeschoben wurde, um mit scheinbarer Objektivität nur eines zu tun: Nichts. Ein Bluff, denn die Zahlen verpflichten zu Nichts – und ihre Bewertungs-Kriterien sind absurd.
Der Widerspruch: Die Stadt hatte, durchaus sinnvoll, in der Siedlung keinen Spielplatz angelegt – mit Verweis auf den Spielplatz jenseits der Straße. Aber von A nach B muss man eine Verkehrs-Behörde erst tragen, wenn sie immer noch tief im auto-autistischen Verkehrsdenken der 1960er Jahre sitzt. Wenn schon kaum Geld da ist, wird es Zeit, darüber nachzudenken, was sich ohne Geld oder mit minimalem Mitteleinsatz machen lässt, um Lebensqualitäten zu verbessern.
Also wenn schon von public-private-partnership (ein komisches denglisches Wort) die Rede ist, besser: von Zusammenarbeit der öffentlichen Hand und Privatleuten, dann bitte nicht nur im Wirtschafts-Bereich, sondern auch im städtischen Leben. Konkret: Hier könnten die Siedlungs-Bewohner, in Absprache mit der Behörde und hoffentlich unbürokratisch, unter sich für die weiße Farbe sammeln und den Zebrastreifen selbst aufmalen. Ist das wirklich eine erschreckende Vorstellung für eine Verwaltung? Oder bleibt sie am liebsten bei dem Prinzip, die Leute um Himmels willen nicht das Geringste zu fragen?