Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

<< Home

>> Kurz-Vita

>> Lieferbare Bücher

>> Schriften-Verzeichnis

<< Die NRZ Kolumne

24. Juni 2004

Skandalös zum Quadrat

An seinem runden Geburtstag riefen die Etablierten der Stadt Bottrop ihren früheren Stadtbaumeister an und waren des Lobes voll darüber, was er Gutes für ihre Stadt getan habe. In der Tat: Er hat sie berühmt gemacht. Der uneitelste aller Architekten, Bernhard Küppers, hatte im Laufe vieler Jahre 34 schwierige Bauten mit hoher Qualität entworfen und realisiert – einzigartig in der Region. Berühmt in aller Welt wurde das Museum „Quadrat“ – es steht geradezu für das Image von Bottrop.
Aber vor und nach diesem Geburtstag wurde und wird der tüchtige Stadtbaumeister von seinen Oberen miserabel behandelt. Angekreidet: Er blieb parteilos. Angekreidet: Er ließ sich nie auf Seilschaft ein, sondern pochte freundlich aber bestimmt auf der Sache.
Angekreidet vor allem: Er duckte sich nicht weg, als der neue Museumsdirektor Dr. Heinz Liesbrock anfing, an der Architektur herumzuverändern – als neuer Besen wollte er auch das Rad neu erfinden, statt froh zu sein, dass er arbeiten durfte in einem so großartigen und variablen Museumsbau von höchster, bleibender Modernität.
Mit dem Tunnelblick, der einzig auf Bilder fixiert ist, versteht Liesbrock nicht, dass das Quadrat keine Kiste ist, in der man machen kann, was man will, sondern dass es eine andere Konzeption hat: In der Tradition von Mies van der Rohe steht der Besucher in einem fließenden Raum. Scheibenflächen gestalten ihn reich an Spannungen. Innen und Außen durchdringen sich – und kontrastieren zugleich als Natur und Künstlichkeit. Aber der Bilder-Mann begann seinen Job damit, die Scheibenflächen wegzuräumen – und will das weiter betreiben. Unfassbar!
Als der Stadtbaumeister sich wehrte, rückten Verwaltung und Politik zusammen – wie das preußische Offizierschor. Sie versuchten, den „kleinen Beamten“ (der leitender Baudirektor war) zu demütigen: als Abhängiger der Stadt habe er sich in alles zu fügen.
Da fruchtete keine der mehrfachen Bitten um sachliche Moderation. Jetzt gibt es einen Kultur-Skandal und einen fulminanten Rechtsstreit über das Urheberrecht. Es hatten nämlich der BDA und der Deutsche Werkbund schon am Anfang des Jahrhunderts erkämpft, dass auch die Schöpferleistungen von Abhängigen geschützt sind.
Es gibt ein Modell: Vor Jahren setzte sich Werner Ruhnau als Urheber des großartigen Musiktheaters Gelsenkirchen durch. Er wird bei jedem Veränderungs-Wunsch als Architekt engagiert – so gehört sich das. Ähnlich wird die Bottroper Verwaltung lernen müssen, dass man in einer Stadt kein Gutsherr ist: Es gibt Rechte. Hoffentlich übt sie sich auch in eine gute Sitte ein, die noch wichtiger ist: dass man schöpferischen Menschen nicht nur am runden Geburtstag den Respekt entgegenbringen soll, den sie durch große Leistung verdient haben. Das „Quadrat“ ist das Image-Juwel von Bottrop – es darf nicht ruiniert werden!