Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

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19. November 2003

Stadt, Land, Fluss, Platz, Theater

Am Rathausplatz in Castrop-Rauxel, den in den 1950er Jahren der dänische Architekt Arne Jacobsen berühmt machte, hat das Westfälische Landestheater (WLT) seine Heimstatt. Diese Theaterleute ziehen als eine Reisetruppe zu 104 Spielorten. Unlängst stellte ihnen Minister Vesper 40 Prozent Kürzung der Landesmittel in Aussicht. Das könnte der Garaus dieses Theaters werden. Wie reagierten die Betroffenen? Vielleicht wird es ein Lehrstück.
Zunächst verdoppelte das Stadtparlament in einer einzigartigen Tat der Solidarität den städtischen Anteil einstimmig. Dann überlegten die Theater-Leitung und der Bürgermeister: Die Krise ist eine gewaltige Herausforderung, sich zu bewegen und Synergien zu entwickeln. So planen sie eine Allianz von Theater und Städtebau. Es gibt in den vielen Spielorten öffentliche Plätze, die durch Theater erst zu Wertschätzung gelangen oder noch wertvoller werden.
Dieses Konzept trugen Bürgermeister und WLT in Düsseldorf dem Grünen-Minister Michael Vesper vor. Er ist sowohl für die Kultur, und damit für das Theater, als auch für den Städtebau verantwortlich – eine traumhafte Konstellation. Seinerzeit hatte der innovative Minister Christoph Zöpel diese Doppelrolle angestrebt, aber nur indirekt spielen können.
Minister Vesper ist gewiss nicht glücklich, dass er weniger Geld hat, aber er könnte glücklich darüber sein, dass ein Theater mit einem landesweiten Aktions-Radius die Krise als Herausforderung produktiv aufnimmt: Das WLT entdeckt die Chance einer handfesten Kombination von Städtebau und Theater – als Zugewinn für beide. Das Westfälische I.andestheater qualifiziert den Städtebau – und der Städtebau qualifiziert das Theater.
Dazu gehört auch, dass das WLT eine Landes-Wasserbühne machen möchte: Theater auf Flüssen und Kanälen. Denn im östlichen Ruhrgebiet gibt es das Projekt „Stadt – Land – Fluss“. Und mit einem Gruß von Werner Ruhnau, der 1972 bei der Olympiade die berühmt-gewordene „Spielstraße“ inszenierte, bietet es zur Fußball-Weltmeisterschaft Theater an. Michael Vesper hat ja auch das Sport-Ministerium.
Übrigens: Dieses Konzept könnte dem Minister ein Argument für die oft kritisierte offene Flanke der Ruhr-Triennale liefern: Es bietet spannendes Theater auch in der landesweit geforderten Breite und zieht neues Publikum an. Wenn die Mittel-Kürzung des Ministeriums moderat bleibt, lässt sich diese Theater-Reform realisieren. Jetzt können wir gespannt sein auf die Innovations-Fähigkeit des Ministers.