Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

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17. Dezember 2003

Innehalten beim Fortkommen

Nichts ist (oder wird) so gut ausgebaut wie die Autobahnen. Sie sind ein hochentwickeltes, gut durchdachtes, ziemlich perfektes Verkehrs-System. Aber an drei wichtigen Punkten sind sie betriebsblind – weil sie ausschließlich sich selbst sehen.
Der IBA Emscher Park gelang es, auf dem Weg über den obersten Herrn des Verkehrs durchzusetzen, dass für die „Route der Industriekultur“ einige Tafeln aufgestellt wurden:
mit grafischen Bildern von Leuchttürmen des Ruhrgebietes – wie dem Gasometer in Oberhausen, dem Tetraeder in Bottrop, Industriemuseum Zollern 2/4 in Dortmund-Bövinghausen. Es könnten – wie das Beispiel Frankreich zeigt – weit mehr sein. Sie tragen dann auch zur Unterhaltung und zum Nachdenken für die Autofahrer bei. Das muss ja nicht nur aus dem Radio kommen. Wer hier – und auf den weiteren Autobahnen des Landes – reist, könnte erfahren, an welchen Schätzen links und rechts der Autobahn er gerade vorbei fährt. Es gehört zur Findigkeit der Menschen einer Region, die Reisenden auch zum Innehalten anzulocken. Wir müssen unsere Schätze nicht verstecken. Aus dem Mangel lässt sich eine Zukunfts-Aufgabe entwickeln.
Zweitens: An den Ruhrgebiets-Autobahnen gibt es kaum einen Park-Platz, an der mittleren A 42 nur einen einzigen. Drittens: Es ist absurd, mit hoher Geschwindigkeit durch eine Gegend zu reisen, ohne etwas über sie erfahren zu können. Wenn die Autobahn-Verwaltung über den Tellerrand hinausschaut, was ihr gewiss Sympathien einbringt, wird sie erkennen: Park-Plätze sind eine große Chance – zur Information über die Umgebung der nächsten Abfahrten. Der Park-Platz kann Orientierung geben, Übersicht herstellen, die Umgebung erschließen.
So verstanden, können Park-Plätze die Rolle von Bahnhöfen für den Auto-Verkehr erhalten. Sie eignen sich hervorragend für die Präsentation der Region. Alle reden von Tourismus, Kommunikation, Information, Stadt-Werbung, Marketing und dergleichen mehr – aber es ist erstaunlich, wie das Gute, das so nah liegt, ungenutzt bleibt. Wer redet jetzt mit der Verkehrs-Behörde? Wer schreibt ihr Briefe?