Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

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11. August 2004

Licht, mehr nicht

Unsere Region ist viel reicher als unser oft armes Gedächtnis und Vorstellungsvermögen meint. Da baute zum Beispiel der Lichtkünstler und Unternehmer Johannes Dinnebier auf der Höhe in Solingen-Grefrath einen weithin sichtbaren Wasserturm um: zu einem faszinierenden Licht-Turm. Hoch oben verwandelte er den Wasser-Behälter zu einem Raum mit höchst raffinierter Lichtgestaltung. Sofort .würde er ein Wahrzeichen far das Bergische Land – ein sinngebender Leucht-Turm.
Johannes Dinnebier schuf im ganzen Rheinland in Jahrzehnten das Licht für rund 2.000 Gebäude, für viele Kirchen und Hallen, das Rathaus in Unna und den Hauptbahnhof in Oberhausen.
Der Solinger Licht-Turm ist eine Werkstatt: Hier experimentiert Johannes Dinnebier mit seinem Medium. Der vitale alte Mann zeigt auch eine ökologische Dimension: Man braucht nicht so viel Licht, wie manche Leute glauben, man kann mit wenig Energie wirkungsvoll sein – und ästhetisch.
Die Nacht schafft ganz andere Atmosphären als der Tag. Jeder weiß: Tag und Nacht sind unterschiedliche Welten. Die Nacht lebt vom Traum. Nacht bedeutet Dunkel und Licht. Das ist der Stoff für Dramatisches – Theatermacher führen es vor. Ein manischer Theater-Gänger war der Maler Rembrandt: Seine Bilder beschäftigen uns mit diesem Licht – es bringt uns zum Suchen und Nachdenken.
In dem schönen Satz „Mir ist ein Licht aufgegangen“ genießen wir eine Erkenntnis. Die Italiener sagen zur Aufklärung „Illuminismo“, die Engländer „Enlightment“ – das heißt: Erleuchtung. Ein wunderbares Wort! Und seit jeher ziehen im lichtärmsten Monat Kinder mit der Laterne herum und singen dazu. Man vergisst Hunderte so genannter Events, aber nicht dieses einfache und prägende Erlebnis des Lichtes der Kindheit.
In den 1920er Jahren verband man die Vorstellung der Großstadt mit der Faszination der neuen Energie, der Elektrizität, die mit nächtlichem Licht überraschte. Walter Gropius gestaltete 1925 das Bauhaus in Dessau ebenso für den Tag wie für die Nacht. Leider bauten in der Nachkriegszeit bequeme Auftraggeber und Architekten im Bauwirtschafts-Funktionalismus einzig für das Tag. Und so wurde die Nacht in unseren großen Städten ziemlich langweilig.
Die Region produziert in ihren Elektrizitätswerken die größten Quantitäten an Licht, aber bislang haben die Ämter und Planer unsere Straßen nur funktional beleuchtet. Wir warten auf die Gedanken, mit Licht Schönheiten zu schaffen: mit ihm nachts atmosphärische und menschliche Räume zu bilden. Es kann eine Zukunft sein, wenn wir eine Kultur des Lichtes auf unseren Straßen entwickeln. Übrigens könnte die Region damit Export-Weltmeister werden. An Rhein und Ruhr setzte die IBA Emscher Park eine Ouvertüre für eine Licht-Kultur – zuerst im Landschaftspark Duisburg Nord. Jetzt ist der Landschaftspark die meistbesuchte Stätte des Ruhrgebietes – und nachts wohl der Spitzenreiter.
Die Nächte werden nun wieder länger – und unsere Sehnsucht nach schönem Licht wird ebenso wachsen, wie wir jetzt noch kurze Zeit das Licht der langen Tage genießen.