Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

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9. Februar 2005

Der horizontale Eiffelturm

Viele Städte liegen an dem wunderbaren Rhein-Strom, der die Mythen und die Schiffe von Jahrtausenden mit sich führte, aber sie machen nicht viel daraus. Lange Zeit kehrte auch Düsseldorf dem Strom den Rücken zu. Dann hatte der kluge Karl Ganser im Städtebauministerium wieder mal einen Quergedanken und die Raffinesse, ihn durchzusetzen. Den Wettbewerb um die Rheinuferpromenade gewann einer der wenigen Planer, die in der Lage sind, öffentliche Räume auch gut öffentlich zu gestalten: Niklas Fritschi.
Das ist schon zehn Jahre her. Aber: Schauen wir doch öfter nach, ob Versprechen auch die Zukunft aushallen! Die Vorgeschichte ist atemberaubend. Minister Christoph Zöpel forderte im Kabinett: Schluss mit dem Landes-Straßenbau! Mit jeder neuen Straße bekomme ich 86 neue Probleme. Er nahm den gesamten Straßenbau-Etat und vergrub ihn in Düsseldorf: in einen Auto-Tunnel neben dem Rhein. Da waren alle zufrieden und glücklich, besonders in Düsseldorf, und die Millionen richteten anderswo keinen Unsinn an.
Ein Wunderwerk – unter und über der Erde. Diesen längsten Städte-Tunnel Europas baute 1987/1989 der Ingenieur Erich Waaser mit vielen tüchtigen Werkleuten. In seiner Tiefbau-Qualität ist sein unterirdisches Labyrinth so was wie ein horizontaler Eiffelturm. Oben darüber legte 1990/1994 Niklas Fritschi mit Benedikt Stahl und Günter Baum den Höhepunkt aller Ufer am Rhein an - eine Perle, die den Maßstab am großen Strom Europas bildet. An der dramatischsten Rhein-Schleife gestaltet Fritschi das Ufer als eine weite und zusammenfassende Geste. Innerhalb dessen differenziert er meisterhaft: Räume in menschlicher Dimension und in Varianten. Er klärt, schafft Orientierung, arbeitet heraus, pointiert, legt Sicht-Achsen an, inszeniert in Folge Szenerien.
Ein blauer Boden mit Wellen. Baumreihen. Treppen-Phantasie. Parallele, aber unterschiedlich geprägte Wege. Altstadt und Strom sind verflochten. In dieser Promenade entstehen von Raum zu Raum wechselnde Gefühle – im Erlebnis der Magie des Stroms und des Ufers.
Eine Frage an die Leute, die dieses Land so gern kaputt reden und dann nach Wundem rufen: Wenn etwas gut gelungen ist, warum zeigt ihr es nicht vor? Mit diesem Rhein-Ufer könnt ihr global antreten!
Zweite Frage: Kann Städtebauminister Vesper ein Programm auflegen, das im Land gezielt Orte mit Potenzialen qualifiziert? Auch kleinere Situationen! Da gäbe es noch viel zu tun, am Rheinufer: Krefeld-Uerdingen – spannend. In Duisburg macht man nur wenig aus dem Rhein – einzig in Ruhrort. Orsoy – interessant. Wesel – nichts. Rees – schön, schön! Und Emmerich dasselbe!