Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

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5. Mai 2004

Keine Angst vorm Kumpel-Gefühl

In den Regionen an Emscher, Ruhr und Rhein ist ein umfangreicher Tourismus entstanden. Nicht, weil sie die Alpen, der Schwarzwald oder die See sind, sondern weil sie Interessantes zu bieten haben: Kultur-Tourismus. Viele junge Leute reisen – einzeln, in Gruppen, in Schul-Klassen und Seminaren. Die meisten haben wenig Geld – sie können Hotels, die einiges kosten, nicht bezahlen.
Dafür wurden schon vor knapp hundert Jahren, zuerst 1909 in Altena, Jugendherbergen gegründet. Aber das Industrie-Gebiet ließen sie aus – bis in der IBA-Zeit eine Jugendherberge im Landschaftspark Duisburg Nord, neben dem Hüttenwerk, entstand. Doch nach wie vor fehlen Übernachtungs-Möglichkeiten für den jugendlichen und für den kulturellen Tourismus.
In dieser Markt-Lücke siedelten sich 2002 zwei junge Frauen an: Sie gründeten ein „Hostel“ – in den noch vorhandenen Gebäuden einer der ältesten Zechen, im Pförtnerhaus (1912) der Zeche Oberhausen, an der Essener Straße 259, unweit vom CentrO und der Knappenhalde. Es kommen viele Rucksack-Touristen zu einer Art Abenteuer-Urlaub.
„Komma bei mich bei!“ – Christina Antwerpen und Verena Breuckmann sind Fans einer Ruhrgebiets-Kultur. Deren volle Blüte konnten sie selbst nicht mehr erleben – aber die jungen Frauen sind neugierig auf ihre Großväter und Großmütter. So inszenierten sie liebevoll Milieu, das Ruhrgebiets-Charakter und Kumpel-Gefühl vermittelt: „Gelsenkirchener Barock“, uralte Karten noch mit den vielen Zechen, und überall fliegende En'gelchen, im Hof ein „Kohlenhund“. „Deswegen sind wir besser als ein Hotel“, sagt Christina, „ich möchte, dass die Gäste eine Woche bleiben und dann immer noch was entdecken.“
Selbst die Hausordnung ist in Ruhrpöttisch verfasst: „Wennze abends zu Hause komms', nimm Rücksicht aufe andern, die schon inne Poofe liegen. – Wennze ma wat brauchen tuß oda wat alle is, dann sach dat doch.“ Und so geht es weiter.
„Hostel – Wat is dat denn?“ – „In hostel veritas“ – Im Hostel steckt die Wahrheit – so nennt sich selbstbewusst das Unternehmen: Das alte Ruhrgebiet ist auch im neuen Ruhrgebiet jung und lebendig. Das zu sehen ist für jede Generation spannend – und so gibt es dazu auch Kaffee und Bier, im Sommer in einem prächtigen Biergarten. Hinzu kommt für die Gäste eine kleine Bibliothek zur Region.
Noch hat farblich Schalke 04 Konjunktur. Aber Christina verspricht: „Wenn am 23. Mai Rot-Weiß Oberhausen in der 1. Bundesliga ist, streichen wir komplett auf Rot um.“
Und die Preise? „Megaflexibel“ – vom 8-Bett-Zimmer je Person 15 Euro bis zum Doppel – mit je 22 Euro und zum Einzel-Zimmer mit 25 Euro.