Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

<< Home

>> Kurz-Vita

>> Lieferbare Bücher

>> Schriften-Verzeichnis

<< Die NRZ Kolumne

3. März 2004

Loblied auf ein eisenartiges Hotel

Für den Reisenden in einer anderen Stadt ist das Hotel oft der erste konkrete Ort, den er ein wenig kennen lernt Aber: Nahezu alle Hotels sehen im Wesentlichen gleich aus – ein bisschen so rum, ein bisschen andersrum. Kaum eines hat einen geprägten und unverwechselbaren Charakter. Die Hoteliers denken nicht darüber nach. Die Gäste sind ihnen ausgeliefert. Aber das muss überhaupt nicht so sein – und erst recht nicht so bleiben.
Bislang gibt es nur selten eine rühmliche Ausnahme. Zu ihnen gehört ein Hotel in der südlichen Stadtmitte von Duisburg, wenige Schritte hinter dem Lehmbruck-Museum (Düsseldorfer Straße 122). Bereits der Name bezeichnet Charakter: Ferrotel. Das heißt: ein Hotel, das mit Eisen zu tun hat. Es ist keineswegs aus Eisen, nicht weniger gemütlich und einladend als andere, aber es macht sichtbar, dass Duisburg eine bedeutende Stadt des Eisens ist, am besten einsehbar im Landschaftspark Duisburg Nord mit seinem begehbaren Hochofen, einem berühmten Baudenkmal.
Der junge Hotelier Marcus Busch entwickelte nach seinem Studium in der Zeit der IBA Emscher Park einen neugierigen offenen Blick: Er meldete sich zu einer Reiseführer-Schulung des gebietsspezifischen Büros „Tour de Ruhr“ im Volkshaus Eisenheim. Dabei lernte er, „diese Gegend mental zu inhalieren“ – und das „besondere Feuer in die Augen zu bekommen, das ein guter Gäste-Betreuer haben muss“. Dann baute er das Familien-Hotel um: Es sollte einen regionalspezifischen Charakter erhalten.
Mit seinem Vater, einem Architekten und dem Rat von Experten entstand ein Ambiente, in dem die Gäste fühlen und sehen, dass sie an einem Ort mit Eigenheiten sind – und nicht irgendwo und beliebig in der Welt. Denn hierher wollten sie doch wohl kommen!
So gelang Marcus Busch, worauf wir im Ruhrgebiet auch an anderen Orten warten: eine regionalspezifische Profilierung des Hotels. Was im Schwarzwald die Kuckucksuhr ist, ist hier die Industrie-Kultur.. Der Landschaftspark lieh dem Hotel eine Anzahl Industrie-kultureller Ausstattungs-Gegenstände. Marcus Busch versteht sich als ein Teil der Route der Industrie-Kultur.
Freude am Beruf.
Wer glaubt, dass gute Ideen keine Wirtschaftlichkeit bringen, irrt. Ohne dass der Hotelier es darauf angelegt hätte (er folgte zunächst seinen eigenen Empfindungen), hat das Konzept hervorragenden Erfolg: Die Einrichtung war nicht teurer, sondern billiger, ohne irgendwo banal zu sein. Das Haus ist hervorragend belegt. Und Journalisten kommen von selbst und schreiben darüber – in vielen unterschiedlichen Zeitschriften und Reiseführern. Nicht zuletzt macht dem Hotelier der Beruf in diesem Ambiente täglich aufs Neue Lebens-Spaß – denn er kostet seine Idee natürlich auch selbst aus.