Die NRZ-Kolumne: Günter guckt hin

Porträt Roland Günter

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2. Juni 2004

Turmhoch überlegen

In Duisburg-Ruhrort sind die beiden Brücken-Türme ein magischer Punkt am Rhein – eine der spannendsten Stellen am Strom. Der Rhein, der Herz-Strom Europas, die Achse des Kontinents: An ihm entlang laufen die wichtigsten Wirtschafts-Ströme Europas.
Aber der Rhein ist noch wenig erschlossen. Jahrhunderte lang hielten seine Hochwasser, die erst in der Industrie-Epoche gezähmt werden konnten, Städte und Orte auf Distanz. Erst in jüngerer Zeit rücken Städte an den Strom. Bestes Beispiel: Düsseldorf mit der Ufer-Gestaltung von Niklas Fritschi.
Ruhrort, die Drehscheibe
Ruhrort, ein Stadtteil von Duisburg, hat eine faszinierende Lage am Strom. Historisch stellt es den Aufbruch zum Industrie-Zeitalter dar. Es war eine Drehscheibe am Rhein: Die Haniels kannten die Märkte, vor allen in der niederländischen Städte-Kette, regten die Produktion im Hinterland an Ruhr und Emscher an und verbanden Produktion und Markt durch Transport. Haniel, heute eine Welt-Firma mit vielen Zweigen, sitzt immer noch in Ruhrort.
Von der gewaltigen Hänge-Brücke über den Strom blieben die beiden Brücken-Türme (1907) des Karlsruher Professors Hermann Billing erhalten. Eine kleine Gruppe von Interessierten vom Werkbund und vom Bund Deutscher Architekten hat ein Nutzungs-Konzept für die ziemlich gut erhaltenen Brücken-Türme entwickelt. Sie sind Eigentum der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Duisburg und sollten kulturell und touristisch genutzt werden, dem magischen Ort am Strom angemessen und seine Wirkung noch steigernd. Dies kann nur gut sein für Ruhrort (woran die Stadtentwicklung noch viel zu feilen hat), gut für Duisburg, gut für die Region.
Die Türme sollen ein Leitthema erhalten: Der Rhein. Mit einer Ausstellung, mit Büchern, mit Aufenthalte-Räumen für Besucher, unter anderem für Leute, die mit ihrem Boot im Eisenbahn-Hafen nebenan anlegen. Ein Treffpunkt von Rhein-Liebhabern? – Davon gibt es unendlich viele!
Die Akademie der Firma Haniel hat sämtliche 40.000 Mitarbeiter aus aller Welt verpflichtet, im Laufe von sechs Jahren für kurze Zeit die Bildungs-Stätte in Ruhrort aufzusuchen. Von der Haniel-Akademie sind die Brücken-Türme nur einige hundert Meter entfernt. Dort könnte Haniel für die Freizeit der Gäste Interessantes schaffen: auch zur Identifikation mit der Mutter-Stadt – Publikum wäre ja allemal vorhanden.
Die Einrichtungen des Revier-Tourismus könnten an dieser Stelle über die Region informieren. Auch Leute, die mit dem Boot kommen, und Schifffahrts-Interessenten. Die Brückentürme sind eine echte Chance für Stadt und Region!